Was Prüfmittel sind
Ein Prüfmittel ist ein technisches Hilfsmittel, mit dem Sie feststellen, ob etwas eine Anforderung erfüllt. Das kann ein Bauteil sein, ein Werkstück oder ein anderes Gerät. Das Ergebnis lautet entweder „in Ordnung“ oder „nicht in Ordnung“, oft auf Grundlage eines Messwerts.
Üblicherweise unterscheidet man drei Gruppen.
| Gruppe | Was sie tut | Beispiele |
|---|---|---|
| Messmittel | zeigen einen Messwert an | Messschieber, Manometer, Thermometer, Isolationsmessgerät |
| Lehren | verkörpern ein Maß oder eine Form und zeigen nur passt oder passt nicht | Grenzlehre, Gewindelehre, Radiuslehre |
| Hilfsmittel | unterstützen die Prüfung, ohne selbst zu messen | Messstativ, Prüfvorrichtung, Prüfadapter |
In vielen Betrieben stecken mehr Prüfmittel, als man denkt. Der Drehmomentschlüssel in der Werkstatt gehört dazu, das Manometer an der Druckluftanlage und das Prüfgerät, mit dem die Elektrofachkraft die ortsveränderlichen Geräte misst.
Prüfmittel oder Messmittel?
Im Alltag werden beide Begriffe oft gleichbedeutend verwendet, und viele sprechen einfach von Prüf- und Messmitteln. Genau genommen ist Prüfmittel der Oberbegriff. Ein Messmittel liefert einen Zahlenwert, etwa 12,3 Millimeter oder 1,2 Megaohm. Eine Lehre liefert keinen Wert, sondern nur eine Aussage, ob das Teil innerhalb der Grenzen liegt. Begriffe rund um Messmittel sind in der Normenreihe DIN 1319 festgelegt.
Für die Praxis ist die Unterscheidung weniger wichtig als eine andere Frage. Hängt an dem Ergebnis eine Entscheidung über Qualität oder Sicherheit? Dann muss das Prüfmittel zuverlässig sein und überwacht werden, egal ob es misst oder nur vergleicht.
Wann Prüfmittel überwacht werden müssen
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, jedes Prüfmittel zu kalibrieren, gibt es nicht. Die Anforderungen kommen aus drei Richtungen.
Qualitätsmanagement. Ist Ihr Betrieb nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert, regelt Abschnitt 7.1.5 den Umgang mit Ressourcen zur Überwachung und Messung. Dazu gleich mehr.
Arbeitsschutz. Wer Arbeitsmittel prüft, muss geeignete Prüf- und Messgeräte einsetzen. Für die Prüfung elektrischer Geräte nennt die DGUV Information 203-070 konkrete Anforderungen an die Prüfgeräte. Ein ungenaues Messgerät kann einen gefährlichen Mangel übersehen.
Eichrecht. Messgeräte, deren Ergebnisse zum Beispiel im geschäftlichen Verkehr verwendet werden, etwa eine Waage, nach der Ware abgerechnet wird, unterliegen dem Mess- und Eichgesetz. Sie müssen geeicht sein.
Was DIN EN ISO 9001 Abschnitt 7.1.5 verlangt
Abschnitt 7.1.5 der ISO 9001 in der Ausgabe von 2015 verlangt im Kern, dass Prüf- und Messmittel für ihren Zweck geeignet sind, instand gehalten werden und dass die Organisation ihre Eignung nachweisen kann.
Wo die messtechnische Rückführbarkeit gefordert ist oder für verlässliche Ergebnisse wesentlich ist, müssen Messmittel nach Abschnitt 7.1.5.2
- in festgelegten Abständen oder vor der Benutzung kalibriert oder verifiziert werden, und zwar gegen Normale, die auf internationale oder nationale Normale rückführbar sind,
- so gekennzeichnet sein, dass ihr Status erkennbar ist,
- vor Verstellen, Beschädigung oder Verschlechterung geschützt werden, die den Kalibrierstatus ungültig machen würden.
Stellt sich ein Messmittel als ungeeignet heraus, muss die Organisation bewerten, ob frühere Messergebnisse beeinträchtigt sind, und wenn nötig handeln. Dieser letzte Punkt wird oft übersehen. Er bedeutet, dass Sie nachvollziehen können sollten, welche Prüfungen mit welchem Gerät gemacht wurden.
Die Norm selbst ist kostenpflichtig. Die Zusammenfassung oben gibt den Inhalt sinngemäß wieder. Für Ihre Zertifizierung gilt der Wortlaut der Fassung, die Ihnen vorliegt.
Kalibrierung, Justierung und Eichung
Diese drei Begriffe werden oft verwechselt.
| Vorgang | Was passiert | Wer macht es | Pflicht |
|---|---|---|---|
| Kalibrierung | Die Abweichung des Prüfmittels gegenüber einem genaueren Referenzgerät wird festgestellt und dokumentiert. Am Gerät wird nichts verändert. | Kalibrierlabor, intern oder extern, akkreditiert oder nicht | ergibt sich aus Qualitätsmanagement, Kundenvorgaben oder Herstellerangaben |
| Justierung | Das Gerät wird so eingestellt, dass die Abweichung wieder innerhalb der zulässigen Grenzen liegt. | Hersteller, Service oder Kalibrierlabor | bei Bedarf, nach einer Kalibrierung |
| Eichung | Eine amtliche Prüfung, ob das Messgerät die gesetzlichen Anforderungen einhält. Bei Erfolg wird es gekennzeichnet und erhält eine neue Eichfrist. | Eichbehörde der Länder oder staatlich anerkannte Prüfstelle | gesetzlich für eichpflichtige Messgeräte nach Mess- und Eichgesetz |
Für die meisten Prüfmittel in KMU ist die Kalibrierung das Thema, nicht die Eichung. Eine Kalibrierung sagt nur, wie groß die Abweichung ist. Ob das Gerät damit noch taugt, entscheiden Sie selbst anhand der Toleranz, die Sie für den Einsatz brauchen. Reicht die Genauigkeit nicht mehr, wird das Gerät justiert, repariert oder ausgesondert.
Die Rückführbarkeit ist dabei der rote Faden. Das Referenzgerät, mit dem kalibriert wird, ist selbst kalibriert, und diese Kette reicht bis zu den nationalen Normalen, in Deutschland bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.
Prüfmittelüberwachung Schritt für Schritt
- Prüfmittel erfassen. Jedes Prüfmittel bekommt eine eindeutige Nummer und einen Eintrag mit Bezeichnung, Hersteller, Seriennummer, Standort und zuständiger Person.
- Einstufen. Welche Prüfmittel entscheiden über Qualität oder Sicherheit? Diese werden überwacht. Reine Orientierungshilfen können Sie bewusst ausnehmen und so kennzeichnen.
- Intervall festlegen. Ausgangspunkt sind die Angaben des Herstellers. Häufige Nutzung, raue Umgebung oder hohe Anforderungen an die Genauigkeit sprechen für kürzere Abstände. Legen Sie fest, wie Sie das Intervall begründen.
- Kalibrieren lassen. Intern mit einem eigenen, rückführbar kalibrierten Referenzgerät oder extern bei einem Kalibrierlabor.
- Ergebnis bewerten. Liegt die Abweichung innerhalb der Toleranz, wird das Prüfmittel freigegeben. Sonst wird es justiert, repariert oder gesperrt.
- Rückwirkung prüfen. War ein Prüfmittel außerhalb der Toleranz, klären Sie, welche Prüfungen seit der letzten Kalibrierung damit gemacht wurden und ob diese wiederholt werden müssen.
- Kennzeichnen und dokumentieren. Status am Gerät sichtbar machen und das Ergebnis ablegen.
Prüfmittel kennzeichnen
Am Prüfmittel selbst sollte auf einen Blick erkennbar sein, ob es benutzt werden darf. Bewährt haben sich zwei Kennzeichen.
- Eine dauerhafte Inventarnummer, zum Beispiel als Etikett mit QR-Code. Sie verbindet das Gerät mit seinem Datensatz und seiner Historie.
- Ein Kalibrieretikett mit dem Datum der nächsten Kalibrierung. Gesperrte Prüfmittel werden deutlich als gesperrt markiert und getrennt aufbewahrt.
Wie eine haltbare Kennzeichnung aussieht und wann sich QR-Code oder RFID lohnt, erklärt der Beitrag Arbeitsmittel richtig kennzeichnen. Etiketten mit QR-Code erstellen Sie kostenlos mit unserem Etiketten-Generator.
Was in die Dokumentation gehört
Für jedes überwachte Prüfmittel sollten Sie belegen können
- welches Gerät es ist, über Inventar- und Seriennummer,
- wann und von wem es kalibriert wurde, mit Kalibrierschein,
- welche Abweichung festgestellt wurde und ob es freigegeben, justiert oder gesperrt wurde,
- wann die nächste Kalibrierung fällig ist,
- wo es eingesetzt wird und wer dafür zuständig ist.
Bewahren Sie Kalibrierscheine so auf, dass sie dem einzelnen Gerät eindeutig zugeordnet sind. Ein Sammelordner, in dem niemand das passende Blatt findet, hilft im Audit wenig.
Prüfgeräte für die DGUV-V3-Prüfung
Das Gerät, mit dem ortsveränderliche elektrische Geräte nach DGUV Vorschrift 3 gemessen werden, ist selbst ein Prüfmittel. An ihm hängt, ob Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand und Ableitströme richtig bewertet werden.
Die DGUV Information 203-070 verlangt, geeignete Prüf- und Messgeräte auszuwählen. Sie sollen den Normenreihen VDE 0411 beziehungsweise VDE 0413 entsprechen, ältere Geräte nach VDE 0404 dürfen weiter verwendet werden. Die prüfende Person muss die Eigenheiten ihres Prüfgeräts und die Hinweise des Herstellers kennen. Die Information widmet der Kalibrierung der Mess- und Prüfgeräte einen eigenen Abschnitt und nennt das verwendete Prüfgerät als Angabe für die Prüfdokumentation.
Daraus ergeben sich für Ihren Betrieb drei praktische Punkte.
- Kalibrierstatus kennen. Das Prüfgerät sollte nach den Vorgaben des Herstellers kalibriert sein, und das Datum der nächsten Kalibrierung muss sichtbar sein.
- Prüfgerät im Protokoll nennen. Steht im Prüfprotokoll, mit welchem Gerät gemessen wurde, lässt sich bei einem fehlerhaften Prüfgerät nachvollziehen, welche Prüfungen betroffen sind.
- Bei Dienstleistern nachfragen. Lassen Sie die Prüfung von einer Fremdfirma durchführen, fragen Sie nach dem Kalibriernachweis des verwendeten Prüfgeräts.
Prüfmittel mit tagIDeasy verwalten
tagIDeasy ersetzt kein Kalibrierlabor und misst nicht selbst. Die Software hilft beim Überblick. Prüfmittel erfassen Sie wie jedes andere Betriebsmittel in der Betriebsmittelverwaltung, mit Nummer, Standort und Historie. Wiederkehrende Intervalle hinterlegen Sie einmal am Artikel, die Termine entstehen daraus automatisch, und eine Übersicht zeigt, was fällig oder überfällig ist. Wie das funktioniert, zeigt die Seite zur Wartungssoftware. Ein Etikett mit QR-Code verbindet das Gerät vor Ort mit seinem Datensatz.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Prüfmittel und Messmittel?
Prüfmittel ist der Oberbegriff für alles, womit geprüft wird. Messmittel sind die Prüfmittel, die einen Messwert anzeigen. Lehren und Prüfvorrichtungen sind Prüfmittel, aber keine Messmittel.
Müssen Prüfmittel geeicht werden?
Nur wenn sie eichpflichtig sind, etwa weil ihre Messwerte im geschäftlichen Verkehr verwendet werden. Für die meisten Prüfmittel im Betrieb ist eine Kalibrierung der richtige Nachweis.
Wie oft müssen Prüfmittel kalibriert werden?
Eine feste Frist gibt es nicht. Das Intervall legen Sie selbst fest, ausgehend von den Herstellerangaben, der Nutzung und der benötigten Genauigkeit. Zeigt die Kalibrierhistorie, dass ein Gerät stabil bleibt, kann das Intervall begründet angepasst werden.
Brauche ich einen DAkkS-Kalibrierschein?
Das hängt von Ihren Anforderungen ab. Akkreditierte Kalibrierlabore weisen ihre Kompetenz nach DIN EN ISO/IEC 17025 nach. Ob Kunden, Ihr Qualitätsmanagement oder Branchenvorgaben eine akkreditierte Kalibrierung verlangen, sollten Sie im Einzelfall klären.
Was passiert, wenn ein Prüfmittel bei der Kalibrierung durchfällt?
Es wird justiert, repariert oder gesperrt. Zusätzlich prüfen Sie, welche Ergebnisse seit der letzten erfolgreichen Kalibrierung mit diesem Gerät entstanden sind und ob sie wiederholt werden müssen.
Quellen
- DIN EN ISO 9001 (Ausgabe 2015), Abschnitt 7.1.5 Ressourcen zur Überwachung und Messung
- Auditor Training Online, Wortlaut ISO 9001 (2015) Abschnitt 7.1.5.2 (englisch)
- DGUV Information 203-070, Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel
- BayernPortal, Messgeräte und Beantragung der Eichung
- Bayerisches Landesamt für Maß und Gewicht, Merkblatt Eichpflicht
- ifm, Kalibrieren, Justieren, Verifizieren und Eichen
- DIN 1319-2, Grundlagen der Messtechnik, Begriffe für Messmittel